|
|
 |
|
|
|
Das habe ich doch alles gehabt...
|
Geschrieben von: Dascha
|
|
Mittwoch, 05. November 2008 um 21:35 |
|
An einem sonnenüberströmten Sommertag schlenderte ich gemütlich in meiner Mittagspause durch die Einkaufsstrasse einer Großstadt.
Ich blieb an einem Eiskaffee stehen, um mir eine Kugel Eis zu kaufen
- Hätten Sie vielleicht eine Mark für einen Krüppel, schöne Frau?....
Hörte ich plötzlich jemanden hinter mir sagen…
Ich drehte mich um, und sah einen etwa 50 Jahre alten Mann, ungepflegt, mit eingefallenen Wangen und Augenringen in einem Rollstuhl vor mir sitzen. Ich gab ihm eine Münze… aber irgendetwas in seinen Augen ließ mich nicht, wie üblich, mich von ihm wieder abzuwenden und meine Wege weiter zu gehen…
Er steckte die Mark ein, strahlte mich an und sagte: „Gott segne Sie gnädige Frau“
Ich fragte: „Kann ich Ihnen vielleicht sonst noch irgendwie helfen?“ - Nein, ich danke Ihnen…
Etwas unbeholfen und mir selbst ziemlich dumm vorkommend fing ich an, immer noch neben ihm stehend, an meinem Handy rumzutippen.
- Bei Ihnen auch alles klar, gnädige Frau? - Jjjaa alles bestens… darf ich Sie was fragen? - Natürlich! - Sie… ähhm… Sie sehen so anders aus, wie die anderen… ähh… - Bettler - Jja… - Und es interessiert Sie, warum ich doch hier und heute und in diesem Zustand vor Ihnen sitze? - Jja.. - Ob Sie es mir glauben oder nicht, gnädige Frau, auch ich war bis vor 10 Jahren, erfolgreich und vermögend, sah gut aus, besaß 3 große Häuser, eines davon auf Hawaii. Hatte 4 Kinder, eine schöne Frau, 4 Luxuskarossen, eine Jacht…. Dann kam der Autounfall, ich landete im Rollstuhl. Erst nach fast einem Jahr konnte ich die Führung meiner Firma wieder übernehmen. …Aber es hatte sich viel geändert in meiner Abwesenheit, ein Jahr ist eine lange Zeit… Meine Erste Hand, mein Generalvertreter und guter Freund hatte, wovon ich nie etwas bemerkte, schon lange vor meinem Unfall ein Verhältnis mit meiner Frau, welches die beiden nun überhaupt nicht mehr verheimlichten… Meine Firma, eine Aktiengesellschaft, haben die beiden dahin gehend fehlgewirtschaftet, dass sie nun nur noch zum Verkauf gut genug (etwa 5 Millionen) war, für das Sanieren war kein Geld mehr da. Meine Banken hatten kein Vertrauen mehr, denn mein guter Freund und mein geliebte Ehefrau hatten überall die Gerüchte verbreitet, dass ich bei dem Unfall, zu den ganzen anderen Verletzungen, auch noch ein schweres Gehirntrauma erlitten habe und wahrscheinlich nie wieder geistig vollbelastbar sein werde…
Nun.. die Firma ging unter den Hammer, meine Frau reichte die Scheidung ein, aber dessen nicht genug… Um mir auch noch die letzten Mitteln zu nehmen, brachte meine Frau meine 13-jährige Tochter dazu, mich wegen dem sexuellen Missbrauch an meiner Tochter anzuzeigen…
Das war das Schlimmste, gnädige Frau…. Meine Claudia, mein ein und alles, meine kleine Prinzessin, soll vor dem Richter sitzen, und die Lügengeschichten, die ihre Mutter ausgedacht hatte, erzählen?!!!….
Nie würde ich das zulassen!
Ich sprach mit meiner Frau: - Was soll ich dir noch geben, damit mein Kind nicht durch diese Hölle gehen muss? - Hm…. Waren da noch nicht ein Paar Groschen aus der Erbschaft deiner Eltern übrig?.. Mich traff es eiskalt… ihr ging es tatsächlich nur um das Geld… - Ja, diese 150 000 kannst du haben, aber ziehe die Anzeige zurück und lass die Kinder aus dem Spiel. Ich gebe dir auch das ganze Geld von der Auflösung der Firma und überschreibe die die Häuser und sonst alles, was du willst, nur lass bitte um Gottes Namen unsere Kinder aus diesem Wahnsinn raus. - OK
Und so ist es über kurz oder lang dazu gekommen, gnädige Frau, dass ich heute und hier und in diesem Zustand vor Ihnen sitze…
Ich war zunächst sprachlos und berührt von seiner Geschichte, Tränen standen mir in den Augen, mein Eis war verschmolzen und tropfte von meiner Hand auf die Pflastersteine herunter… ich merkte es nicht…
- Ddas tut mir sehr leid für Sie… ddas muss so schrecklich sein, so was zu erleben. Alles, aber auch wirklich alles zu verlieren… Wie schaffen Sie das bloß, dass Sie die Menschen immer noch anlächeln und diese Fassung behalten können?!...
Er sah mich mit seinen warmen Augen an, lächelte und sagte: - Ich habe es doch alles GEHABT, mein Kind, darauf kommt es doch an… Eine große Liebe und Leidenschaft, die Geburt, das Aufwachsen und das Lachen meiner Kinder… Den Erfolg, Ruhm und Reichtum, die Annerkennung… Das habe ich doch alles GEHABT, ich hatte das alles genießen und erleben DÜRFEN!.. und ich danke dem Gott dafür...
Er schenkte mir noch einmal ein warmes sanftes Lächeln und rollte auf seinem Stuhl davon…
Ich sah ihm noch lange nach… dann rief ich meine Sekretärin an, sagte für diesen Tag alle Termine ab und fuhr zu meiner Mutter…. Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen…
|
|
|
Aktualisiert ( Mittwoch, 05. November 2008 um 21:37 ) |
|
|
| Weitere Beiträge dieser Kategorie |
| |
|
| |
|
|
|
|
|